Donnerstag, 9. Dezember 2010

Das Mädchen mit den Schwefelhölzern

Die Macht der Worte



Meine kleinen Frostbeulchen,

ich hab den gestrigen Tag im verschlafen. Das mein ich nicht nur im übertragenen Sinne.
Als ich am Nachmittag nach Hause kam, hat es mich fast augenblicklich auf dem Sofa in einen Tiefschlaf gezogen und ich hab vergessen für euch einen Post zu schreiben. Schande über mich alte Mimose.

Wie auch immer dafür hol ich es nach.

Damit könnt ihr euren Spieltrieb ausleben. 
Ich muss zugeben, ich hab mir den Link aus einem Forum geliehen, wo sich das Team auch jeden Tag eine Riesenmühe macht einen Adventskalender zu erstellen.
Großes Lob an die Mädels vom AML

Für euren unausgelebten Spieltrieb


Wieso ich heute auf die Macht der Worte komme, mögt ihr euch fragen. Nun ja.
Seit ein paar Tagen geht mir die Geschichte vom Mädchen mit den Schwefelhölzern nicht aus dem Kopf. Ich glaub es war der Montag, als ich sie morgens im Sinn hatte.
Einfach so.

Ich weiss nicht wieso, denn es ist eigentlich eines der traurigsten Märchen, die ich kenne.
Aber witzigerweise hab ich mich gar nicht an die Geschichte selbst erinnert, sondern eher an den Film, den das Lesen des Märchens in meinem Kopf erzeugt hat. Bestimmt bin ich nicht alleine damit, aber oft bringe ich Erinnerungen an Filme und Bücher durcheinander, und ich brauch dann eine Weile zu entscheiden, was es denn nun war. Wenn ich Lesen entstehen unweigerlich Bilder in meinem Kopf.

Und je besser die Geschichte ist, desto stärker wird mein visuelles Empfinden.
Ich weiss, dass ich nach der Verfilmung Der unendlichen Geschichte von Michael Ende das Buch nie wieder in die Hand genommen habe. Die Filmversion von Fuchur dem Glücksdrachen hat meine Phantasie für Fantasien zerstört. Mein zarter, fragiler Drache hatte so gar keine Ähnlichkeit mit diesem Flokkati-Dackel-Apfelstrudel-Ding, welches da über die Leinwand flog.
Es gibt Geschichten, die kann man nicht in Bildern umsetzten, oder sollte es nicht,
weil dann die Magie der Worte verloren geht.
Ich glaube daran scheitern auch viele Verfilmungen; sie werden den starken Bildern, die beim Lesen entstehen einfach nicht gerecht.

Daher hab ich mir "mein Märchen" noch mal zu Gemüte geführt und gar nicht erst nach einer Verfilmung gesucht. Falls ihr es noch nicht kennt, dann bringt euch in Märchenstimmung.


Photobucket
Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern,
von Hans Christian Andersen

Es war ganz grausam kalt; es schneite und es begann dunkler Abend zu werden; es war auch der letzte Abend im Jahre, Silvesterabend. In dieser Kälte und in diesem Dunkel ging auf der Straße ein kleines, armes Mädchen mit bloßem Kopf und nackten Füßen. Ja, sie hatte ja freilich Pantoffeln angehabt, als sie von zu Hause wegging, aber was konnte das helfen! Es waren sehr große Pantoffeln, ihre Mutter hatte sie zuletzt benützt, so groß waren sie, und die verlor die Kleine, als sie über die Straße eilte, weil zwei Wagen so schrecklich schnell vorbeifuhren. Der eine Pantoffel war nicht zu finden, und mit dem andern lief ein Junge davon; er sagte, daß er ihn als Wiege benützen könne, wenn er selbst Kinder bekomme.

Da ging nun das kleine Mädchen auf den kleinen, nackten Füßen, die rot und blau vor Kälte waren; in einer alten Schürze trug sie eine Menge Schwefelhölzer, und mit einem Bund in der Hand ging sie dahin. Keiner hatte ihr während des ganzen Tages etwas abgekauft, keiner ihr einen kleinen Schilling gegeben; hungrig und verfroren ging sie dahin und sah so verschüchtert aus, das arme kleine Wurm! Die Schneeflocken fielen in ihre langen, blonden Haare, die sich so schön um den Nacken lockten; - aber an die Pracht dachte sie freilich nicht. Aus allen Fenstern leuchteten Lichte, und dann roch es da in der Straße so herrlich nach Gänsebraten; es war ja Neujahrsabend, - ja, daran dachte sie.

Hinten in einer Ecke zwischen zwei Häusern, das eine sprang ein wenig mehr in die Straße vor als das andere, da setzte sie sich hin und kauerte sich zusammen. Die kleinen Beine hatte sie hinaufgezogen unter sich, aber sie fror noch mehr und heimgehen durfte sie nicht, sie hatte ja keine Schwefelhölzer verkauft, keinen einzigen Schilling bekommen, ihr Vater würde sie schlagen. Und kalt war es auch daheim, sie hatten nur grade das Dach über sich, und da pfiff der Wind herein, obschon Stroh und Lumpen in die größten Spalten gestopft waren.

Ihre kleinen Hände waren beinahe ganz tot vor Kälte. Ach, ein kleines Schwefelholz konnte gut tun! Hätte sie nur gewagt, eines aus dem Bund zu ziehen, es an der Wand anzustreichen und die Finger daran zu wärmen! Sie zog eines heraus. "Ritsch!" wie das sprühte, wie es brannte! Es war eine warme klare Flamme wie eine kleine Kerze, als sie die Hand darum hielt; es war ein wunderbares Licht! Dem kleinen Mädchen schien es, als säße sie vor einem großen Eisenofen mit blanken Messingkugeln und Messingtrommel; das Feuer brannte so herrlich, wärmte so gut; nein, was war das! - Die Kleine streckte schon die Füße aus, um auch diese zu wärmen, - da erlosch die Flamme. Der Ofen verschwand, sie saß mit einem kleinen Stumpf eines abgebrannten Schwefelholzes in der Hand.

Ein neues wurde angesteckt, es brannte, es leuchtete, und wie der Schein auf die Mauer fiel, wurde sie durchsichtig wie ein Schleier; sie sah ganz bis in die Stube hinein, wo der Tisch mit einem schimmernden weißen Tuch gedeckt stand mit seinem Porzellan, und herrlich dampfte die gebratene Gans, die mit Pflaumen und Äpfeln gefüllt war; und was noch prächtiger war, die Gans sprang von der Schüssel, wackelte über den Boden mit Gabel und Messer im Rücken, ganz hin zu dem armen Mädchen kam sie; da erlosch das Schwefelholz, und es war nur die dicke, kalte Mauer zu sehen.

Sie zündete ein neues an. Da saß sie unter dem herrlichsten Weihnachtsbaum, der war noch größer und noch mehr geputzt als der, den sie am letzten Weihnachtsabend durch die Glastüre bei dem reichen Kaufmann gesehen hatte. Tausend Lichte brannten an den grünen Zweigen, und bunte Bilder wie die, die die Ladenfenster schmückten, sahen auf sie herab. Die Kleine streckte beide Hände hoch, - da erlosch das Schwefelholz. Die vielen Weihnachtslichter stiegen höher und höher, sie sah, es waren nur die klaren Sterne, einer von ihnen fiel und bildete einen langen Feuerstreifen am Himmel.
"Nun stirbt da jemand!" sagte die Kleine, denn die alte Großmutter, die die Einzige war, die gut zu ihr gewesen, aber jetzt tot war, hatte gesagt: Wenn ein Stern fällt, steigt eine Seele empor zu Gott!

Sie strich wieder ein Schwefelholz an die Mauer, es leuchtete im Umkreis, und in dem Glanz stand die alte Großmutter, so hell, so leuchtend, so mild und gesegnet.
"Großmutter!" rief die Kleine, "oh, nimm mich mit! Ich weiß, du bist fort, wenn das Schwefelholz ausgeht, fort, wie der warme Ofen, der herrliche Gänsebraten und der große, prachtvolle Weihnachtsbaum!" - Und sie strich in Eile den ganzen Rest Schwefelhölzer an, die im Bund waren, sie wollte die Großmutter recht festhalten; und die Schwefelhölzer leuchteten mit einem solchen Glanz, daß es heller war als am lichten Tag. Großmutter war früher niemals so schön gewesen, so groß; sie hob das kleine Mädchen auf ihren Arm, und sie flogen in Glanz und Freude so hoch, so hoch! Und da war keine Kälte, kein Hunger, keine Angst - sie waren bei Gott!

Aber in der Ecke beim Hause saß in der kalten Morgenstunde das kleine Mädchen mit roten Wangen, mit einem Lächeln um den Mund - tot, erfroren am letzten Abend des alten Jahres. Der Neujahrsmorgen ging auf über der kleinen Leiche, die mit Schwefelhölzern dasaß, von denen ein Bund fast abgebrannt war. Sie hat sich wärmen wollen, sagte man; niemand wußte, was sie Schönes gesehen, in welchem Glanz sie mit der alten Großmutter zur Neujahrsfreude eingegangen war!

Quelle: Märchen von Hans Christian Andersen, Berlin 1910


*sich lautstark die Nase putzt*
So schööön und sooo traurig. Und ich glaube es hat nichts von seiner Thematik eingebüßt in den hundert Jahren, da es diese Geschichte schon gibt.

Irgendwie ist es auch auffällig, dass Weihnachten (ja, in dem Fall ist es Neujahr) in den Geschichten für Kindern stärker vorkommt, als in den Geschichten für Erwachsene.

Kennt ihr einen Roman, der Weihnachten thematisiert und kein Kinderbuch ist?
Mir fällt so spontan nichts ein.

Was ist eure liebste Weihnachtsgeschichte? Oder in welchem Roman wird Weihnachten für auch am schönsten beschrieben? Gibt es ein Buch, dass ihr über Weihnachten lesen werdet oder das ihr euch wünscht?
Entschuldigt das ich so neugierig bin.

Ich für meinen Teil, liebe ja die Weihnachtsdarstellung in Harry Potter Der Orden des Phönix. Man erfährt, dass auch magische Familienfeste üble Folgen haben können, denn ein Patient hat eine Satsuma ins Nasenloch gehext bekommen Ein anderer hat von seinem Bruder verfluchte Schuhe bekommen, die dessen Füße auffressen.


Ich wünsch euch noch einen geruhsamen Abend
Eure Tinks <3

1 Kommentar:

  1. Ausgerechnet mein Lieblingsmärchen! Ich habe schrecklich geweint als ich das meinen Babysitterkindern vorgelesen habe. Das ist ein paar Jahre her und ich weine aber immer noch schrecklich, wenn ich es lese. Es ist so traurig!
    Mein Lieblingsbuch ist übrigens ein Bilderbuch: Wo der Weihnachtsmann wohnt. Sooo niedlich!
    Ansonsten finde ich die drei Weihnachtsmärchen von Dickens eigentlich wenig kindgerecht außer dem Christmas Carol... Nun jaaa... ^^ *drücks*
    Schööön weiterschreiben!

    AntwortenLöschen