Donnerstag, 3. November 2011

Wellenwächterin

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„Wellenwächterin.“

So nannte man Frauen wie sie, in den kleinen Dörfern entlang der Küste Cornwalls.

Wellenwächterin, - obwohl sie schon längst nicht mehr die stetigen Wellen bewachte.

Sie waren ihr egal geworden, die ständig an die Küste brechenden Berge aus Wasser und Gischt. Sie hatte den Wellen alles gegeben was sie besaß. All ihre Tränen, all ihren Wehklagen, all ihr Flehen und Bitten, hatte der Wind von ihren Lippen und Wangen gerissen um es hinaus auf den endlosen Ozean zu tragen. Dorthin wo ihr Mann geblieben war.

Sie seufzte bei der Erinnerung und auch diesen Laut riss der Wind fast gierig von ihren Lippen, kaum dass er sich gebildet hatte. Ließ ihr nur ein immer vager werdendes Gedankenbild eines Mannes, der tief unten auf dem Grund des Meeres ruhte.

Bitter lächelnd, wischte sich eine Strähne hinters Ohr.

Fischer war er gewesen, wie die meisten Männer hier.
Voller Lebensmut und Zuversicht, dass der nächste Fang, der Beste aller Zeiten sein könnte und all die Mühen und Risiken wert war, die er stets aufs Neue einging.

Das glitschige Tau, mit dem er das Netz einholen wollte, sei seinen klammen Fingern entglitten, so erzählte man es ihr hinterher. Bei dem Versuch es wieder zu fassen, sei er aus dem Boot geworfen worden, da eine Welle den Kahn hart traf. Zu rasch sei er danach hinaus getrieben um ihn noch rechtzeitig zu erreichen. 

Als man zu ihr kam, um ihr zu berichten, dass die See sie zur Witwe gemacht hatte, war es genau dieser Moment, den sie sich am deutlichsten vorgestellt hatte.

Sie hatte nicht geweint.
Weder da, noch bei der Beerdigung.
Wozu? 
Davon wurde das Loch in ihrem Herzen nicht kleiner oder die Leere in ihrem Haus weniger bedrängend. Davon wurden die Kinder nicht satt, und die Arbeit nicht geringer.
Tränen brachten nichts zurück, dass unwiederbringlich fort war.

Sie hob noch einmal den Blick. 
Sah hinaus auf den bleiernen Spiegel der Wasseroberfläche, malte sich aus, wie ihr Mann minutenlang winkend gegen den Sog gekämpft hatte, bevor seine Kräfte erlahmten und er unterging wie ein Stein.
Hatte ein Gebet als Letztes seine Lippen verlassen oder ihr Name?

Auch diese Worte hatte der Wind verschluckt und dieser Gedanken hatte etwas eigenwillig Tröstliches an sich. Im Lied des Windes waren sie vereint auf ewig.
Das konnte der Ozean ihnen nicht nehmen.  


(3.11.11 by Tinks)

Ihr Lieben, 

die Geschichte hatte mich schon vor einer Weile angesprungen und wollte jetzt einfach mal in die Welt hinaus gelassen werden. Damit hab ich meine Schuldigkeit erfüllt und hoffe, dass in meinem Kopf jetzt wieder Raum für anderes ist.
Habt einen wundervollen Start ins Wochenende 


Eure Tinks

Kommentare:

  1. ..wundervoll *sfz* ich sehe sie vor mir.. ;(

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  2. Dankeschön <3 .. ja ich hab sie auch gesehen. ;)

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  3. hey danke für deinen kommentar :)
    der tisch ist aber gar nicht von ikea.. den hatten wir zuerst gekauft aber dann hat mein freund bei amazon einen günstigeren gefunden und der hat noch so hübsche schaniere etc :)

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