Montag, 12. Dezember 2011

Alle Jahre wieder ...

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Gehen sie mir auf den Zeiger, mit der alten Leier, ihr Lieben.  

Ihr fragt euch sicher womit man Tante Tinks auf die gerösteten Nüsse gehen kann. 

Beispiel gefällig? 
Ja, klar. Rhetorische Frage :)  

Heute auf dem Parkplatz eines Billigdiscounters schiebt sich mir ungefragt und latent aufdringlich ein Klemmbrett unter die Nase. 
Das passende Stift dazu befindet sich in der Nähe meiner Hand.

„Klasse“, denk ich mir. „Endlich ein Fan, der mein Autogramm will.“
Im Geiste übe ich schon das IN LOVE TINKS zu schreiben.
Doch weit gefehlt.

Ich würde doch auch wollen, dass eine lokale Suppenküche weiterhin die Armen speisen kann, oder?

Diese Frage postuliert ein nicht unattraktiver, gepflegter Osteuropäer und schenkt mir ein neckend, vertrauliches Lächeln.

Doof nur, dass bei mir solch plumpe Traulichkeit nicht zieht, vor allem wenn jemand an mein Geld will. 
Ich merke wie meine Augenbraue nach oben wandert.

Klar er sammelt Spenden.
Aber warum fragt er mich?
Nur weil ich so aussehen, als ob der Hunger der 3. Welt ganz allein auf meine Wampe geht?

Also Zeit für einen Gegenschlag.

„Sorry, ich hab selber nicht viel. Außerdem unterstütze ich monatlich mein Patenkind in Papua-Neuginea“
Stimmt zwar so nicht, kommt aber immer wieder gut.

Mr. Charmantes Lächeln verliert selbiges fast schlagartig und rauscht in seiner Muttersprache murrend ab.
Bestimmt hat er mich mit allen Zigeunerflüchen belegt, die er in der Kürze erdenken konnte.
Auch gut.

Hätte ich ihm sagen sollen, dass ich niemals wildfremden Menschen, in aller Öffentlichkeit meine Bankdaten gebe? 
Schon gar nicht an Rumänische Bettelbanden, die auf den allweihnachtlichen Spendenzug aufspringen?

Ich bin zwar dick, aber nicht auch gleichzeitig doof.
Wenn man sich genau erinnert, dann waren Dick & Doof zwei verschiedene Personen.

Ähm ja …
Wo war ich?!

Ich will die osteuropäische Armut und die dortigen miserablen Lebensumstände gar nicht leugnen oder in Abrede stellen.
Wahrscheinlich ist jeder ALDI Parkplatz näher am Paradies dran, als die Dörfer, aus welchen diese Berufsbettler eingeschleust werden.

Aber er war ja nicht der einzige, der mich, in der letzten Zeit, auf dem falschen Fuß erwischt hat.

An der Haustür soll ich Karten von halbblinden, eremitischen Unterwassermalern kaufen. 
Oder überteuerte, mundgetöpferte Frettchenhaarbürsten einer Behindertenwerkstatt. 
Ein dritter steht mit einem ranzigen Lama vor der Pforte und sammelt für seinen Flohzirkus auf Durchreise.  

Alter Schwede. 

Fast vermisse ich die freundlichen Herrschaften mit dem Wachturm an der Haustür.
Die wollten nur meine Seele retten, nicht mein Geld.

Ich habe nichts gegen Spendensammeln, wenn es Organisationen sind, mit denen ich mich anfreunden kann. Ich gebe auch hin und wieder Menschen auf der Straße einen Euro, wenn sie mich berühren.
Aber ich will mich nicht nötigen lassen, indem man an mein gutes Gewissen appelliert.
Und genau damit hab ich zu Weihachten so meine Probleme.

Gutmenschen (vor allem im Fernsehen) machen die grosse Welle um den kleinen Leuten das Geld aus der Nase zu ziehen. 
Not, Armut und das Leid Unterprivilegierter scheint es daher nur gegen Ende des Jahres zu geben, wenn die Herzen weit und das Hirn Räucherkerzen benebelt ist.
Was eigentlich schade ist, denn das ganze Jahr über sollten wir die Missstände in diesem Land, wenn nicht auf dem Schirm, so doch wenigstens im Hinterkopf habe.

So bevor ich hier noch zum Schmalspur-Prediger mutiere, geh ich mal schauen, wass es mich wirklich kosten würde ein Patenmädchen in Papua-Neuginea zu unterstützen.

Ich wünsche euch einen wundervollen Abend, ihr Lieben

Eure Tinks

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