Montag, 7. Mai 2012

Morgens halb Zehn in Deutschland

morgensumhalbzehn

... oder eine nicht ganz ernstzunehmende Schilderung meines Vormittages. 


Ihr Lieben,

Morgens um halb zehn in Deutschland, wer da an Werbung für einen munter, moppelig machenden Knabberriegel denkt, liegt gar nicht mal so falsch.
Aber die Harmonie und heile Welt vorgaukelnde Werbung trügt gewaltig.

Von Harmonie und kurzen in den Laden huschen kann keine Rede sein.

Wart ihr schon mal Montags morgens einkaufen? An einem normalen Montagmorgen, außerhalb von Ferien- und Urlaubszeiten?
Es gibt wirklich nur drei Sorten von Mitbürgern, (mich mal ausgenommen) die um diese Uhrzeit schon mit Futterbeschaffung beschäftigt sind.
Bereits auf dem Parkplatz der jeweiligen Einkaufsmöglichkeit, erkennt man die Kundenbeschaffenheit im Inneren, wenn man einen Blick dafür hat.

Vermutlich harmlose Kleinwagen mit Schonbezügen auf den Sitzen, stehen neben großen und noch größeren Minivans, deren Namensaufkleber auf der Heckscheibe, ganze SOS Kinderdorfscharen vermuten lassen. Heimlich hoffe ich, dass Ronja-Josefine, Lena-Lara, Paul-Benjamin und Ignatz-Ruben bereits im Kindergarten oder Schulpflichtigen Alter sind, gehe aber vom Schlimmsten aus.

Die blechmäßig größte Gruppe der parkenden Autos, stellen grellbunte Sprinter und Baustellenfahrzeuge dar, von denen aber keine Gefahr mehr ausgeht, denn Manni, Wolli, Kalle und Co. hocken längst dicht gedrängt im den Führerhäuschen und mümmeln Bild-Zeitungslesen ihr Frühstück.  
Ich beneide sie, denn mir steht der Wahnsinn noch bevor.

Ich habe nichts gegen Menschen, oder Rentner oder Mütter mit agilen Kleinkindern. 
Echt nicht. Außer ich hab es eilig.

Drinnen im Shoppinghabitat tobt genau der Trubel, den ich befürchte.
Schlimmer ist Einkaufen nur an Freitagnachmittagen wenn sich mehr als zwei zusammenhängende Feiertage anschließen. Blutiger Konkurrenzkampf um die letzten Nahrungsreserven, kann ich euch sagen.

Montagsmorgens ist die Gefahr subtiler.
Ich drücke mir mein Portemonnaie fest vor die Brust, und halte mit gesenktem Blick auf die Gemüseecke zu. Bloß nicht auffallen und erst recht keinen Blickkontakt mit den herumlungernden, pensionierten Kleinstgruppen aufnehmen. Nach dem Wochenende verspüren die betagten Dauerbrutpaare in dezenten Tarnfarben Redebedarf . Gerne werden im Allgemeinen Gesundheitsthemen oder die politische Lage erörtert oder das Supermarktpersonal hinterrücks angefallen.

„Junge Frau, das Angebot vom Mittwoch gibt’s das auch schon heute?“

Nein, sonst würden sie ja kein Datum auf die Wurfsendungen schreiben, Silberlocke.
Meine Hand schließt sich um die erstbeste gelbe Paprika und ich enteile zum Milchregal ohne mitzubekommen ob die nette Dame, die die Regale einräumt sich aus der misslichen Lage aus eigener Kraft befreien kann.
Leben ist hart und das ist nun mal Tatsache, Schwester.

Neben der Laktosefreien Milch entdecke ich, eindeutig identifizierbar am Namen der auf seiner Schnullerkette prangt, Ignatz-Ruben, der prompt einen neuen Doppelnamenfreund gefunden hat. Die Welt ist ja so klein. Dank ihrer kindlichen Spontanität finden sie grade raus, wie cool es klingen kann, wenn man zwei Mini-Einkaufswägen mit voller Wucht gegeneinander scheppern lässt.  
Ein Hoch auf die Musikalische Früherziehung im Mutterleib.
Eigentlich kann ich ihnen nur Recht geben. Der Sound ist unvergleichlich und nervt erst nach dem zwölften Mal so ein klein wenig.
Ein Muttertier (ich weiß nicht, welcher Nachwuchsmetaller zu ihr gehört) plaudert indes neben den Bio-Milchprodukte munter in ihr Handy, ohne sich von dem Krawall stören zu lassen.
„Du errätst nie, wo die beiden sich kennen gelernt haben, Svetlana?!“

Ich tippe spontan auf den tschechischen Straßenstrich, sage aber nichts, weil man mich ja nicht gefragt hat.
Manni, Wolli, und Kutte haben es so gut in ihren überheizten Fahrerkabinen.
Ich schnappe mir meine Buttermilch und hoffe bald wieder in Sicherheit zu sein.
Aber bevor ich an der Fleischtheke meinen Wunsch äußern darf, wohlgemerkt ich will nur ein Truthahnkäsewürstchen, muss ich mitansehen, wie drei Kinder mit Gelbwurstscheiben vergiftet werden und ein älterer Herr sich einen Fleischsack schnüren lässt, der nur für das Wolfsrudel bestimmt sein kann, dass er heimlich im Vorgarten hält.

Ob er das Haltbarkeitsdatum seiner Dauerwurstwaren voll ausschöpfen kann? 

Prompt hat der Drucker der Wurst-Waage kein Papier mehr, als ich an der Reihe bin, also wechselst die Fleischfachverkäuferin auch noch schnell die Metallklammern im Tacker.
„Es kann ja immer mal was passieren, nech?“
Ja zum Beispiel mein Kopf der gleich auf die Plexiglastheke wummert.
„Ich komm hier nie wieder raus aus.“

Auf dem Weg zur Kasse, wische ich mir heimlich die Tränen der Erleichterung aus dem Augenwinkel, remple alles aus dem Weg, was nicht schnell genug mithalten kann und wedel der Kassiererin einen Geldschein vor der Nase herum.
Wechselgeld, wer braucht das schon. Ich brauch frische Luft.

Montagmorgen zwanzig vor Zehn bin ich schon wieder reif für das Wochenende. 

Und euer Start in die WOche so? *gggg*

Kommentare:

  1. unfassbar großartig, weil so wahr!
    aber echt super geschrieben - das wäre ein perfekter poetry-slam-text. denk mal drüber nach ;)
    lieb dich!!

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    1. Du weisst ich bin keine Rampensau .. aber danke <3

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