Freitag, 3. Oktober 2014

… und wo warst du als die Mauer fiel?





Ihr Lieben …

ich weiß, daß das eigentliche Datum des Mauerfalls der neunte November 1989 ist. Der dritte Oktober 1990 wurde als Tag der deutschen Einheit gewählt, weil an diesem Tag der Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland vollzogen wurde.

Für viele mag es nur ein netter Feiertag sein, der diesmal sogar für ein langes Wochenende sorgt. Dass sich dahinter so viel mehr verbirgt, vergisst man leicht, je weiter die Zeit voranschreitet. Oder man kann es sich gar nicht erst vorstellen, wenn man jünger als das wiedervereinte Land ist. Zu unglaublich klingen wohl die Geschichten von dem „anderen Deutschland“ mit Stasi, Todestreifen, gigantischen Grenzanlagen und Schießbefehl.

Ich habe die Bilder der DDR/BRD Grenze im hessischen Herleshausen noch deutlich im Kopf. Jedes Mal wenn es zu Familienfeiern in den „Osten“ ging, mussten man diese Bollwerk überschreiten. Alles war so übergroß, taghell auch in der Nacht und es wirkte ungemein bedrohlich.  Um in die DDR zu reisen bedurfte es eines Visums und man durfte wirklich erst dann die Grenze überqueren, wenn es Gültigkeit hatte. Der Wagen wurde jedes Mal von grauen Zöllnern nach Schmuggelware durchsucht, die dabei nicht eine Mine verzogen und schwer bewaffnet waren. An der Angespanntheit der Eltern bemerkte man, dass das alles kein Spaß war. Man hätte ja aus dem Westen das Böse mitbringen können.

Unschwer zu erkennen, dass ich das Glück hatte in der Bundesrepublik Deutschland geboren zu werden. Doch wie wäre es gewesen, wenn sich meine mutige Großmutter 1955 nicht dazu entschlossen hätte,  mit ihren drei kleinen Kindern, darunter meine damals achtjährige Mutter, in den Westen zu fliehen? Ich weiß nicht ob ich den Mut besessen hätte an den Montagsdemonstrationen teilzunehmen und „Wir sind das Volk“ zu skandieren. Oder ob ich auch in der Deutschen Botschaft in Prag Zuflucht gesucht hätte?

Es wirkt mit jedem Jahr das vergeht, lächerlicher, dass unser Land für fast vierzig Jahre gezwungen war, getrennte Wege zu gehen. Zwei verschiedene politische Modelle, Ideologien und Kulturen, die sich immer noch  annähern müssen, denn das geeinte Deutschland ist ein noch vergleichsweise junges Gebilde. Grade mal vierundzwanzig Jahre alt. Da hat jeder noch nicht wirklich zu sich gefunden. 
Und wahrscheinlich halten sich Ossi und Wessi Klischees noch sehr viel länger, aber irgendwann wird des die Teilung dieses Landes länger nicht mehr geben, als das es sie gegeben hat. Das wird, wenn ich richtig gerechnet habe, 2031 der Fall sein.

Einerseits ist es wundervoll, dass eine Generation heranwächst, die sich diese Teilung nicht einmal mehr vorstellen kann, andererseits ist das Vergessen auch heikel. Denn wir Deutschen, und ich mache da keine Ausnahme, nehmen unsere Freiheit und unsere Demokratie längst als etwas Selbstverständliches hin. Die Bereitschaft zu wählen schwindet und das Vertrauen in die Politik sinkt. Aber „Wir sind das Volk“  und ich setzte Hoffnung in unser aller Heimatland. Wir als geeintes Deutschland sind bunter, lebendiger, solventer, dynamischer und sympathischer als jemals zuvor in der Welt.  In unserer Demokratie dürfen selbst die beklopptesten Blödföhne ihren Rand bis hintenhin aufreißen und ihre Weltsicht kundtun, denn das ist Teil unserer Freiheit. Meinungsfreiheit.

Darum Herzlichen Nationalfeiertag Deutschland ich bin gern ein Teil von dir und nicht nur weil wir Fussballweltmeister sind.


1 Kommentar:

  1. ich war vor dem Fernseher damals für Montagsdemos war unser dörfchen zu klein da hab ich nix von mitbekommen außer das was man danch erzählt bekommen hat

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